Das Licht des Südens zur blauen Stunde
Etwas später am Abend verwandelt sich die Hafenpromenade in einen Laufsteg auf und ab flanierender Menschen. Jetzt ist es noch ruhig und wir suchen uns für heute Orte aus, von denen wir den wandelnden Lichtstimmungen des Abends aus einiger Entfernung erfahren. Im ruhigen Lauf der Zeit verwandelt sich das Licht und die Farben und mit ihnen auch das Motiv der Hafenfestung Agiou Nikolaou.
Mit Hilfe der gestischen Fotografie werden die verschiedenen Impressionen des stetigen Wandels im Bild sichtbar.

Mit dem Beginn der blauen Stunde lösen sich die Formen zunehmend auf. In der Eigenbewegung der Objekte und der gestischen Bewegung der Kamera gewinnen die verschiedenen Arten des Lichts für die Komposition an Bedeutung. Die Mentoren Brigitta und Bernd erklären Dir leicht verständlich die Zusammenhänge zwischen Licht, Bewegung und Kameraeinstellungen.

Nach Sonnenuntergang verwandelt sich die Szene erneut und erinnert nun in ihrer Dramatik an eine Seeschlacht. Im Gedanken versunken frage ich mich, ob diese subjektive Impression dem Wesen der Hafenfestung nicht viel näher kommt, als eine dokumentarische Abbildung.

Vom glucksenden Wasser des Hafenbeckens steigt abendliche Kühle auf. Mit nur wenigen Schritten ändern wir unseren Standort und wärmen unsere Rücken an der Hitze des Tages, die in den Steinen der Stadtmauer noch lange nicht verflogen ist. Unser Blick schweift hinüber zur Altstadt von Rhodos.

Wie unterschiedlich ein Motiv erfahren und interpretiert werden kann, zeigt uns ein eine klassische Aufnahme, die nur wenig später und von einem leicht veränderten Standort aus entsteht.

Direkt vor unseren Augen, zunächst unbemerkt aber mit Zeit und Ruhe doch entdeckt, spiegeln sich der Schiffsrumpf eines Schleppers im Wasser. Am nächsten Morgen bei der Besprechung der Eindrücke und Bilder des Vorabends, beschließen wir den bezaubernd flüchtigen Eindruck des fotografischen Aquarells durch die vertikale Spiegelung des Motivs zu unterstützen.

Neues entsteht nur durch den Mut zum kreativen Experiment. Einer Eingebung folgend wird durch einen langen Schwenk ein Hafenpanorama zu einem energetischen Impuls.

Auf dem Weg zum Trubel der Altstadt schauen wir zurück auf den Ort unserer Hafenimpressionen. Ein kleines Reisestativ hilft beim Sammeln des Materials für ein Bild der Szene.

Autor: Bernd Donabauer