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Christo und Jeanne-Claude – oder wie der Raum in die Fotografie kommt

Raumliebe

Raumgefühl – das sollte jedem Architekten zu eigen sein. Raumverständnis und Raumgestaltung wird auch an den Hochschulen gelehrt. Aber Raumliebe? Gibt es das Wort überhaupt? Ein Lehrfach ist es jedenfalls nicht. Wenn es richtig gut läuft mündet das Raumgefühl in Raumbildender Kunst.

Raumbildende Kunst ist eine Spielwiese für die Großen, für die mit dem großen Geld und mit ebensolchen Ideen und dem Langmut, sie zur Umsetzung zu bringen.  Über all den Großen stehen Christo und Jeanne-Claude --> und sie haben ganz offensichtlich Raumliebe.

Zeige mir, wie Du baust, und ich sage Dir, wer Du bist.

Christian Morgenstern

Baukunst

Als Christo und Jeanne-Claude den Reichstag verpackten, zog das bei vielen Bürgern erst einmal Unverständnis nach sich: Das soll Kunst sein, ein bisschen Stoff über ein Gebäude zu ziehen? Oder das „Big Air Package“--> im Gasometer in Oberhausen: Was bitte soll an einem überdimensionalen Luftballon, eingesperrt in einem Industriedenkmal, Kunst sein?

Das "Big Air Package" von Christo im Gasometer Oberhausen.

Christo und Jeanne-Claudes Werke muss man erleben, man muss sie begehen, man muss den Raum durchschreiten und fühlen, den sie bilden. Und wenn man sich in ihnen loslässt und sie in ihrer riesigen Dimension auf sich wirken lässt, dann lässt die Größe der Idee und die Schönheit des Raums das Herz ebenso groß werden.

Mein Liebe zu den Werken des Künstlerpaars wurzelt in meiner Liebe zu schönen Räumen – nicht umsonst war und ist bis heute Innenarchitektur mein Traumstudienfach. Räume gibt es aber auch draußen in der Natur, so dass Landart ebenfalls meine Begeisterung findet.

Floating Piers - Christo

2D/3D

Und nun die Liebe zur Fotografie. Zweidimensional. Ohne Wenn und Aber.

Von Beginn an der Beschäftigung mit der Architektur bin ich es gewohnt, ein dreidimensionales Gebäude in zweidimensionalen Darstellungen abzubilden. Ohne Probleme kann ich aus diesen zweidimensionalen Darstellungen die dreidimensionale Wirklichkeit in meinem Kopf zusammenbauen, so dass für mich dort keine große Trennung besteht, ich eigentlich keinen Verlust empfinde bei der vermeintlichen Aufgabe der dritten Dimension.

Aber schon während des Studiums wird mir klar, dass es nicht jedem ohne Übung so leicht fällt, anhand der Grundrisse, Schnitte und Ansichten sich ein Bild des Bauwerks zu machen.

Kopfgeburten

Unbewusst und erst im Lauf der Zeit formt sich in meinem Kopf der Gedanke, das, was ich vor meinem inneren Auge als ständige Mehrdimensionalität sehe, für andere sichtbar zu machen.

Fassade der Rheingoldhalle in Mainz mit Spiegelung des Rathaus'.

Gedanken

Bei der Beschäftigung mit diesem Thema kommt mir die Wallfahrtskirche „Notre Dame du Haut“--> in dem kleinen Örtchen Ronchamp in den Sinn. Diese derzeit absolut neuartige kleine Kirche von Le Corbusier --> wurde schnell zur Architekturikone deklariert und ist es bis heute. Sie ist Gebäude und Skulptur in einem, ist von außen ganz anders erfahrbar als von innen und sie löst die Differenz zwischen dreidimensionalem Gebäude und zweidimensionaler Ansicht auf:
Es gibt keine Nord-, Ost-, Süd- oder Westansicht, egal von welchem Winkel aus man sie betrachtet gibt nur eine unbestimmte aber in sich stimmige Ansicht.

Also vielleicht doch ein Aber?

Die Wallfahrtskapelle "Notre Dame du Haute" von Le Corbusier in Ronchamps.

Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper.

Le Corbusier

2D/3D

Wenn Le Corbusier es schafft, ein dreidimensionales Bauwerk in eine zweidimensionale Wahrnehmung zu zwingen, dann sollte es im umgedrehten Fall doch auch möglich sein, einen dreidimensionaler Raum in einem zweidimensionalen Medium erfahrbar zu machen.

Fassadenansicht im HOLM, Frankfurt.

Dimensionsverschiebungen

Bewegungen im Raum und damit auch in der Zeit bringen Verschiebungen der Dimensionen in die Bilder. Gefühle aus dem Unterbewusstsein lenken die Schritte und die Kamerahand. Multiple Dimensionen erscheinen im Bild, überlagern sich und formen einen Raum. Sie zeigen nicht genau den Raum, in dem sie enstanden sind, sondern sie zeigen meinen Raum, mein Raumgefühl, und machen meine Raumliebe so dem Betrachter erfahrbar.

Foyer im Arp Museum Rolandseck.

Reise durch Raum und Zeit

Ich bin auf der Reise durch den Raum seit 1989, eigentlich seit meiner Kindheit, aber die Keimzelle der Raumliebe verliert sich in den verblassenden Erinnerungen.

Eine lange Zeit, immer noch bin ich am Anfang meiner Reise, bin nach wie vor auf der Suche. Raum und Zeit sind Themen, die mich interessieren und vereinnahmen.

"Beam me up, Scotty" - der Schlachtruf der Helden meiner Kindheit wird zu meinem Reiseziel.

Bautelle am Bahnhof Mainz.

Credits

Autorin und Fotografin: Brigitta Fiesel

Bildquellen von oben nach unten:

Big Air Package, Oberhausen, 2013

Dazwischen, Oberhausen, 2013

Floating Piers, Lago d'Iseo, 2016

Speicherstadt, Hamburg, 2013

Rheingoldhalle, Mainz, 2014

Notre Dame du Haut, Ronchamp, 2016

HOLM I, Frankfurt, 2015

GOOMH I, Arp Museum Rolandseck, 2015

Bahnhof, Mainz, 2016

 

 

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