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Χριστός ἀνέστη – Christus ist auferstanden

Linsenkunst Rhodos 2015 Werkstadtbericht Teil 2

"Sie fanden aber den Stein abgewälzt von dem Grabe und gingen hinein und fanden den Leib Jesu nicht. Und da sie darum bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Und sie erschraken und schlugen ihre Angesichter nieder zur Erde. Da sprachen die zu ihnen:

Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten?"

Lukas, 24

O Janis

“You are a very good christian”, flüsterte Janis, legte dabei den Kopf zur Seite und betrachtete mich wohlwollend. Auf der Empore seiner Ouzeria hat er gerade meine, mit einem entschuldigenden Unterton vorgetragene, Bestellung entgegen genommen. Etwas Zitronen-Lauchsuppe ohne Olivenöl und eine Karaffe frisches Wasser sollte mir genügen. An diesem Abend, in der voll besetzten und von Stimmengewirr, Düften und Wärme durchdrungenen Taverne, hatte Janis immer einen ruhigen Moment und ein freundliches Wort für mich übrig. Seit Tagen begegnet man mir in der Fastenzeit vor Ostern mit diesem leisen Zuvorkommen, das für die Griechen ein Zeichen von Respekt ist. Ob nun bei Freunden, wenn ich dankend den schwarz gebrannten Souma, einem hochprozentigen Weintrester, ablehne oder wenn ich in den Tavernen auf eine einfache Fastenspeise bestehe.

 

“Wenn die wüssten”, denke ich bei mir, wohl wissend, dass mein strenges Fasten rasenden Bauchschmerzen geschuldet war und nicht meinem festen Glauben. Später stellte sich heraus, dass einige kleine Gallensteine verantwortlich dafür waren. Aber wer kennt schon die Wege der Vorsehung und wenn es einen Gott gibt, so hat dieser wohl einen sehr feinen Humor, gerade mich vor meinen griechischen Freunden auf Rhodos als glaubensstarken, den weltlichen Genüssen entsagenden Pilger da stehen zu lassen.

Linsenkunst Rhodos 2015 Werkstadtbericht Teil 2

Am Meer

Nach Tagen eines unangenehmen Süd-Ost-Windes, der Regen und einen nasskalten, klebrigen Dunst mit sich brachte, hatte in der Nacht zum Karsamstag der Wind gedreht und der Morgen empfing die Welt mit Klarheit und Frische. In naher Ferne, über das Meer hinweg, konnte man die wolkenweißen Schneereste auf den Gipfeln der dunkelgrauen Ausläufer des westlichen Taurus-Gebirge sehen. Der Himmel war von diesem unglaublichen Blau, wie es nicht zu beschreiben, nur im April auf Rhodos zu erleben ist. Die Luft war noch kühl aber die südliche Sonne erwärmte alle Dinge, auch die Herzen und Körper von uns Menschen und so verbrachten wir den größten Teil des Tages an einer windgeschützten Stelle am verborgenen Strand von Antonis am Meer. Vieles war hier noch zu richten für die kommende Saison, doch diesen Tag schauten wir die meiste Zeit schweigend auf die salzigen Fluten, hörten den Erzählungen der großen und kleinen Wellen zu und ließen unsere Gedanken mit den Möven über das Meer bis zum Horizont fliegen. So verging die Zeit bis zum Abend.

Linsenkunst Rhodos 2015 Werkstadtbericht Teil 2

Vor der Kirche

Nun war es Nacht und es wurde Zeit mit unseren Osterkerzen in den Händen die Straße vorbei am Sportplatz und der Schule zur Kirche zu schlendern. Die Frauen hatten ihre guten Ausgehsachen an und ich tat es Babis gleich und trug meinen grauen Anzug, den ich für diese Gelegenheit in den Koffer gepackt hatte. Eine Frage von Respekt, schließlich war Mariantis Familie eine der ältesten und angesehensten im Dorf, wenn nicht auf der ganzen Insel. Da spielte es keine Rolle, dass viele Griechen in wulstigen Daunenjacken vor der Kirche standen, um der nächtlichen Kühle zu widerstehen. Ich konnte mir bei dem Anblick ein liebevolles Lächeln nicht verkneifen. Wir Nordmenschen brachten das Tragen solcher Jacken mit einem Schneesturm und mindestens 15 Grad unter Null in Verbindung, keineswegs aber mit einer aprilfrischen Nacht auf Rhodos.

Linsenkunst Rhodos 2015 Werkstadtbericht Teil 2

Licht ohne Dunkelheit

Die Kirche und der Vorplatz war natürlich längst mit Menschen überfüllt. Durch die offenen Türen der Kirche drang Licht und Gesang auf die Straße. Die Frauen machten sich auf, um durch das Menschengewirr in den kleinen Innenraum vor zu dringen. Wir Männer beobachteten die Szene rauchend von der Straße aus, begrüßten alte Freunde und entfernte Bekannte mit einer gelassenen Handbewegung.

 

Stille; einen wunderbaren Moment lang verstummte um Mitternacht die Musik und selbst das Gemurmel der Menge. Für diesen kurzen Atemzug standen wir gemeinsam alleine mit dem Wind in der Dunkelheit.

Linsenkunst Rhodos 2015 Werkstadtbericht Teil 2

Christos anesti
Christus ist auferstanden
Alithós anésti
Er ist wahrhaftig auferstanden

 

Der im inneren der Kirche ausbrechende Jubel schwappte wie eine Woge auf den Vorplatz und die Straße. Dicht gefolgt vom Osterlicht, das von Kerze zu Kerze, von Mensch zu Mensch weiter gereicht wurde.  Licht ohne Dunkelheit, Symbol für die Auferstehung Christi und die Verheißung des ewigen Lebens. Familie, Freunde und Fremde lagen sich lachend in den Armen und wünschten sich ein frohes Osterfest. Dazwischen huschten die Kinder in wildem Spiel durch die Menge und alles wurde übertönt von dem “Kawum” der infernalisch lauten Böller. In diesem Augenblick waren alle Sorgen, Nöte und Ängste der Menschen verweht wie Rauch im Wind.

 

Es waren gute Zeiten.

Linsenkunst Rhodos 2015 Werkstadtbericht Teil 2

Καλο Παςχα

Frohe Ostern

Quellen

Bernd Donabauer, Christos Aneste, Rhodos, 2012

Bernd Donabauer, Jesus Falls The Second Time, Baden-Baden, 2015

Bernd Donabauer, Daydream by the Sea, Rhodos, 2015

Bernd Donabauer, Christos Anesti, Rhodos 2008

Bernd Donabauer, Lighthouse, Rhodos, 2008

Bernd Donabauer, Χριστός ἀνέστη, Rhodos 2013

Χριστός Ανέστη Σοφία Μάνου Κατερίνα Λέχου, 2011

Autor: Bernd Donabauer

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